Von St. Pauli über Neuseeland auf die Weltbühne des olympischen Rugbys - Ben Ellermann auf dem Sprung in die DRV VII

Seit fünf Jahren kämpft Ben Ellermann (20) um den ovalen Ball. In dieser kurzen Zeit hat er eine rasante Entwicklung auf dem Rugbyfeld genommen. Denn mittlerweile ist Ben nur noch einen Schritt vom Sprung in die deutsche 7er-Nationalmannschaft entfernt. Damit sind die Teilnahmen an den Sevens World Series und an den olympischen Spielen 2020 in Tokio für den Hamburger Jung kein Traum mehr – sondern sportliche Realität.

 

Angefangen hat alles in der U16 des Erstligisten FC St. Pauli. Nachdem sich seine Fußballmannschaft aufgelöst hatte, landete Ellermann über die Umwege Jiu Jitsu und American Football beim Rugby. „Nach dem ersten Training habe ich mich sofort in den Sport verliebt. Ich hatte zwar zunächst keine Ahnung vom Rugby, habe aber gleich losgetackelt“, erinnert sich der angehende Student.

Danach ging es Schlag auf Schlag. Es folgte ein U18-Lehrgang des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV), bei dem Ellermann einen bleibenden Eindruck hinterließ. Denn danach blieb er durchgehend im Fokus des olympischen Spitzenverbandes. Und das erste 7er-Turnier ließ im Sommer 2016 im italienischen Bologna nicht lange auf sich warten. „Das war ein hartes und anstrengendes Turnier, da ich damals noch nicht über die Skills von heute verfügt habe“, erinnert sich Ellermann an seine Premiere im DRV-Trikot. Doch DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm erkannte das Potenzial des Hamburgers und nahm ihn in das 7er-Förderprogramm des Verbandes auf.

 

Ein Jahr später war Ben einer von lediglich drei Spielern, die der DRV im Rahmen eines Förderprogramms nach Australien schickte. In Down Under holte sich das Hamburger Rugbytalent einen Monat lang im Training und bei 7er-Turnieren den nächsten Feinschliff – ehe er sich im Anschluss für ein halbes Jahr privat in das Rugby-Mekka Neuseeland aufmachte. Als Spieler einer Einladungsmannschaft nahm er dabei an hochkarätig besetzten Turnieren wie den Coral Coast Sevens im Land des Olympiasiegers Fidschi teil. „Dort wird 7er-Rugby auf einem ganz anderen Niveau gespielt“, schwärmt Ellermann. Unterbrochen wurde sein Aufenthalt in der Südhemisphäre dabei von DRV-Lehrgängen in Südafrika und Portugal. Der Hamburger entwickelte sich so zu einem Weltreisenden in Sachen Rugby, der für seine Leidenschaft um den halben Globus fliegt.

 

Mittlerweile gehört Ellermann dem B-Kader des DOSB an, bezieht Sporthilfe und nahm dieses Jahr mit dem 7er-Entwicklungsteam des DRV an Turnieren in Frankreich und Portugal teil. Seine sportliche Zukunft sieht er daher auch am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar in der deutschen Rugby-Hochburg Heidelberg, wo er bereits regelmäßig am DRV-Bundesstützpunkt an Leistungstests der deutschen 7er-Nationalmannschaft teilnimmt. „Ich will mich dort als Spieler weiterentwickeln und den letzten Schritt in die DRV VII gehen. Aber im Herzen werde ich immer braun-weiß bleiben“, betont Ellermann. Sein kurzfristiges Ziel ist dabei, dem Kader in der aktuell laufenden Europameisterschaft der vier Turniere umfassenden Grand Prix Series anzugehören. Sein Fernziel: als Profi in England, Frankreich oder Japan aufzulaufen. „Es liegen aber noch viele Jahre harter Arbeit auf dem Rugbyplatz und im Kraftraum vor mir, um die nächsten sportlichen Kapitel in meinem Leben zu schreiben“, ist sich Ben dabei über den vor ihm liegenden Weg bewusst.

 

Dass Ellermann dabei auch im 15er-Rugby eine gute Figur macht, hat er im Mai vergangenen Jahres beim 30:29-Sieg der DRV XV in Kenia bewiesen, als er für Deutschland in der traditionellen Variante auflief. „Das war ein absoluter Höhepunkt bisher“, erinnert sich Ben. Doch sein Fokus liegt aktuell voll und ganz auf dem olympischen 7er-Rugby - und damit auf der Qualifikation für die World Rugby Sevens Series 2018/19 kommendes Frühjahr in Hongkong sowie für die olympischen Spiele 2020 In Tokio. Für Ben Ellermann wäre es die perfekte Bühne, um 7er-Rugby auf höchstem Niveau zu spielen.