Rugby - Die Geschichte des Sports

Die Wiege des Rugbysports steht in der gleichnamigen englischen Stadt Rugby in der Grafschaft Warwickshire. An der dortigen Schule, soll sich der Schüler William Webb Ellis beim Fußballspiel den Ball unter den Arm geklemmt haben und damit losgelaufen sein. Ob sich das, im Jahre 1823, wirklich so zugetragen hat, wie es auf der Gedenktafel am historischen Ort vermerkt ist, dafür kann sich heute sicherlich niemand mehr verbürgen. Überliefert ist jedoch, dass die Jugendlichen an den englischen Schulen und Univers-itäten zur damaligen Zeit emsig den Ballspielen nachgingen. Grob konnte man zwei spielweisen unterscheiden: das "Dribbling Game", bei dem der Ball überwiegend mit dem Fuß gespielt und gekickt wurde und das "Running Game", bei dem der Ball auch mit den Händen gespielt werden durfte. Die Regeln waren je nach Schule unterschiedlich, so dass Spiele untereinander nahezu unmöglich waren. Im Jahre 1840 wurden an der Schule in Rugby die Regeln erstmalig verbindlich festgelegt. Die gedruckten Ausgabe von "The Laws of Football as played at Rugby School" vom 28th August 1840 enthält bereits 37 Regeln.

 

Wie diese Spiele vor fast 200 Jahren aussahen und wie viel Ähnlichkeit sie mit den heutigen Rugby- oder Fußballspielen hatten? Eine Vorstellung davon liefert uns der Englische Autor Thomas Hughes in seinem 1857 erschienenen Roman „Tom Brown´s Schooldays“ Der Roman handelt von der Schulzeit des Schriftstellers um das Jahr 1835 an der Schule von Rugby. Im Roman wird auch ein Rugbyspiel beschrieben. 50 Spieler und mehr sollen damals in einer Mannschaft gespielt haben. Der Roman, und mit ihm die Kapitel über jenes Rugbyspiel, ist mehrfach verfilmt worden und so kann man sich heute zumindest ansehen, wie die Regisseure zu verschiedenen Zeiten der Verfilmung sich ein Rugbyspiel vor fast 200 Jahren vorgestellt haben.

 

Nach der Quellenlage ist in Deutschland das Spiel, nach den Regeln der Schule in Rugby, um das Jahr 1850 in Cannstatt (heute ein Stadtteil von Stuttgart) und am Neuenheim College in Heidelberg überliefert. Die Jugendlichen der Stadt nannten das Spiel, in ihrem Badischen Idiom, „Durchtragerles“. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Ball getragen und mit der Hand gespielt wurde. Schüler des Kollegs gründeten im Jahre 1872 dann auch den Heidelberger Ruderklub, der heute als der älteste deutsche Rugby-Verein gilt. Weitere Gründungen von Vereinen, die nach den Rugbyregeln spielten, folgten 1878 in Hannover und 1880 in Frankfurt und Bremen. (Malte Oberschelp: „Der Fußball-Lehrer“, Göttingen 2010)

 

Der Lehrer Konrad Koch führte das Spiel im Jahr 1874 an seinem Gymnasium in Braunschweig ein. Einige sehen dies heute als die Geburtsstunde des Fußballs in Deutschland. Aber Zeitzeugen schreiben in ihren Quellen, wie in einem Nachruf auf Konrad Koch, dass es sich bei dem ersten Braunschweiger Spielgerät „um einen eiförmigen, großen Lederballe“ handelte. (Eerke U. Hamer: „Die Anfänge der Spielbewegung in Deutschland“, Göttingen 1989)

 

Im Jahr 1900 wurde der deutsche Rugby-Verband gegründet und im gleichen Jahr nahm an den Olympischen Spielen in Paris auch bereits eine deutsche Mannschaft teil. Da es noch keine Nationalmannschaft gab, wurde der FC 1880 Frankfurt zum olympischen Turnier entsandt. Das erste offizielle Länderspiel einer deutschen Rugby-Nationalmannschaft fand dann 1927 in Paris gegen Frankreich statt.