Rugby in Hamburg - ein historischer Überblick

Als sicher kann gelten, dass auch in Hamburg, mit seinen im 19. Jahrhundert vielfältigen Kontakten nach England, früh Fußball, nach den Regeln der Schule von Rugby gespielt wurde. Die Quellenlage dazu ist hier, wie in ganz Deutschland auch, nicht ganz aussagekräftig. „Da der Begriff Rugby in Deutschland erst später aufkam, ist in Zitaten, in Regelbüchern und Vereinsnamen häufig nicht klar, ob mit dem Wort Fußball Rugby oder Association gemeint ist. Generell gilt: von 1878 bis weit in die 1880er Jahre hinein ist Fußball gleichbedeutend mit Rugby. Association war in Deutschland um diese Zeit weitgehend noch unbekannt“. (Malte Oberschelp: „Der Fußball-Lehrer“, Göttingen 2010) 

 

"Vom Rugbywettspiel des Fußball-Clubs 1897 Hannover gegen den Hamburger Rugby-Club: ein Moment aus dem Kampf, der auf dem Sportplatz des Fußball- Clubs von 1888 in Hamburg stattfand und von den Hannoveranern mit 11:3 gewonnen wurde"
"Vom Rugbywettspiel des Fußball-Clubs 1897 Hannover gegen den Hamburger Rugby-Club: ein Moment aus dem Kampf, der auf dem Sportplatz des Fußball- Clubs von 1888 in Hamburg stattfand und von den Hannoveranern mit 11:3 gewonnen wurde"

 

Später wird die Quellenlage zum Rugby dann eindeutiger. Die ersten Erwähnungen über Rugby in Hamburg in den 1880er Jahren finden sich in dem Buch "Das Fußballspiel: Association und Rugby" von Philipp Heineken, das im Jahr 1898 erstmalig herausgegeben wurde. Die Zeitschrift „Spiel und Sport“ berichtet im Jahr 1914 über ein Rugbyspiel des damaligen Hamburger Rugby-Clubs gegen den FC 1897 Hannover in Hamburg vor etwa 600 Zuschaueren. (siehe Foto oben) Danach sind die Gründungen von Rugby-mannschaften beim Hamburger SV im Jahre 1922 und beim SV Polizei im Jahre 1924 überliefert. Im Jahre 1933 wurde, von Rugbyspielern jüdischen Glaubens, die bei anderen Vereinen ausgeschlossen wurden, die Rugbyabteilung beim FC St Pauli gegründet.


Ab der Spielzeit 1935/1936 wurde eine regionale Meisterschaft ausgetragen. Um die damalige „Nordmark-Meisterschaft“ kämpften zahlreiche Vereine aus Hamburg, aber auch aus anderen norddeutschen Städten wie Wilhelmshaven, Lüneburg und Kiel. Erster Titelträger wurde die Mannschaft der Kriegsmarine Kiel.

Der sportliche Wiederbeginn nach dem 2. Weltkrieg war schwierig, verlief jedoch, auch mit Hilfe eines intensiven Spielverkehrs mit Mannschaften der britischen Besatzungstruppen, positiv. Im Jahre 1952 schlossen sich die Vereine zum Hamburger Rugby-Verband zusammen. Bis dahin war Rugby als be- sondere Sparte im Hamburger Fußball-Verbandes organisiert. Zu den Gründungsmitgliedern des Ham- burger Rugby-Verbands gehören einige bekannte Namen der Hamburger Sportszene: ETV, FC St.Pauli, Hamburger RC, Hamburger SV, SV Polizei, ASK, Altona 93, SV St. Georg, Fichte Langenhorn, Uhlenhorster Hockeyclub.

 

Mit der Einführung der Rugby-Bundesliga im Jahre 1971, mit dem Gründungsmitglied FC St Pauli,  begann eine Reihe von Strukturreformen im deutschen Rugby, in deren Verlauf das Hamburger Rugby seine Erstklassigkeit verloren hat. Nur kurzfristig konnten sich Hamburger Vereine in der ersten Liga behaupten: FC St. Pauli (1971 bis 1975 sowie 1988 bis 1990), SV Polizei (1972/73), HSV (1978/79). Nationale Titel konnten mit Ausnahme der Ligapokalgewinne des FC St. Pauli (1991 und 2002) nicht errungen werden. Nach der jüngsten Ligareform spielen aber seit der Saison 2012/13 der FC St Pauli und der Hamburger Rugby-Club in der 1. Bundesliga (Nord)


Erfolgreich hat sich auch das Hamburger Frauenrugby entwickelt. Die 1989 gegründete Frauenmannschaft des FC St. Pauli hat seit 1995 acht Meistertitel errungen. Mehr als 20 Nationalspielerinnen sind aus diesem Team hervorgegangen. Mit dem FC St Pauli (rund 600 Mitglieder) beherbergt der Hamburger Rugby-Verband den größten Rugbyverein in Deutschland.