"Brauchen uns bundesweit keineswegs zu verstecken"

HHRV-Landestrainer Ivan Zivojinovic über die Arbeit mit dem weiblichen Nachwuchs

Der Oktober zeigt sich mittlerweile von seiner herbstlichen Seite - bestes Rugbywetter, um den weiblichen Nachwuchs in den Blick zu nehmen. Daher unterhielt sich der Hamburger Rugby-Verband mit Ivan Zivojinovic, HHRV-Landestrainer weibliche U15 und U18. Dabei zeichnet Zivojinovic ein durchaus positives Bild der sportlichen Zuknft des weibliche Nachwuchses und zeigt dabei auf, welche Schritte auf und neben dem Platz unternommen werden müssen, um die sportliche Ausbildung und somit das spielerische Niveaus weiter zu heben.

Hamburger Rugby-Verband: Du betreust die beiden HHRV-Auswahlmannschaften wU15 & U18. Stell dich doch bitte kurz vor, erzähle uns von deinem Rugby-Hintergrund.

Ivan Zivojinovic: Hi, ich bin Ivan, 45 Jahre alt und habe mit 5 Jahren beim FC St. Pauli angefangen, Rugby zu spielen. Ich verfüge über mehr als 30 Jahre Rugbyerfahrung. Neben dem FC St. Pauli bin ich in der Saison 1998/99 auch für die deutsche Juniorenauswahl aufgelaufen. Als ich 2019 meine Tochter zum Rugby brachte, habe ich als Trainer angefangen. Es folgten sechs Jahre als Trainer der U12 beim FC St. Pauli, gefolgt von einem Jahr als Coach der weiblichen U15 sowie der U14. Seit diesem Jahr bin ich nun verantwortlich für die weibliche U15 und U18 des FC St. Pauli. 

HHRV: Was ist nun deine Motivation, die beiden weiblichen Nachwuchsmannschaften des HHRV als Hamburger Landestrainer zu trainieren?

Ivan: Es begeistert mich zu sehen, wie sich Spielerinnen in dem Alter individuell verbessern, über sich hinauswachsen und als Hamburger Team eine starke Einheit auf dem Platz bilden. Ich möchte den Spielerinnen eine sportliche Möglichkeit geben, mehr Zeit mit diesem wudervollen Sport und den Freundinnen - auch  Vereinsübergreifend - zu verbringen.

HHRV: Wie schätzt du das sportliche Potenzial des weiblichen Nachwuchses zwischen Elbe und Alster ein?

Ivan: Die U18 schätze ich sportlich sehr stark ein. Das Team ordne ich spielerisch aktuell in Rugby Deutschland im oberen Drittel ein. Bei der U15 müssen wir die Entwicklug über die Saison beobachten, da wir ein gemischtes Team aus "alten Hasen" und ganz neuen Spielerinnen mit sehr viel Potenzial haben.

Wenn wir die Qualität im Training hochhalten, konsequent an den Grundlagen arbeiten und die Vereine eng vernetzen, brauchen wir uns bundesweit keineswegs zu verstecken.

HHRV: Was sind deine Ziele mit den beiden Mannschaften, welche Ideen und welche Philosophie verfolgst du in der Arbeit mit den Auswahlteams?

Ivan: Mit den Auswahlteams möchte ich eine moderne, dynamische Spielkultur etablieren, bei der technisches und taktisches Verständnis im Vordergrund stehen.

HHRV: Wo siehst du noch Verbesserungspotenzial, wo können Vereine und Verband in der Arbeit mit dem weiblichen Nachwuchs unterstützen, um langfristig sportliche Erfolge sicherzustellen?

Ivan: Das fundamentale Problem und gleichzeitig unsere größte Herausforderung ist, dass Mädchenrugby in Hamburg nach wie vor eine Randsportart im Aufbau ist und wir schlichtweg zu wenig Mädchen in diesem Sport haben. Langfristiger Erfolg braucht eine noch engere Verzahnung zwischen der Basisarbeit in den Vereinen und den Verbandsstrukturen. In erster Linie müssen wir mehr gemeinsame Trainingseinheiten durchführen, um gemeinsam als Hamburg voranzukommen. Genau dies planen die Verantwortlichen in den Vereinen und im Verband.

HHRV: Warum sollten Mädchen unbedingt abseits vom Leistungssportgedanken unbedingt Rugby spielen?

Ivan: Nirgendwo sonst lernen Mädchen so unmittelbar, Verantwortung zu übernehmen, füreinander einzustehen und körperliche wie mentale Stärke aufzubauen – und das in einer unglaublich offenen, familiären Gemeinschaft, wo der Spaß im Vordergrund steht. Der wohl wichtigste Punkt für mich ist zudem, zu sehen, mit wieviel Spaß und Leidenschaft die Mädchen diesen Sport ausüben.

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